Highway Africa ist ein mehrjähriges, gemeinschaftliches Forschungs- und Lehrprojekt, das die Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft des transafrikanischen Autobahnsystems untersucht. Das Ende der Kolonisierung in Afrika war Ausgangspunkt für bis dahin beispiellose Modernisierungsträume. Diese gingen Hand in Hand mit Plänen für Autobahnnetze, die die frisch in die Unabhängigkeit entlassenen Nationen des Kontinents miteinander verbinden sollten. Für die Mitglieder der Elite waren solche Netze in erster Linie wirtschaftliche Vorhaben, um die örtlich gewonnenen Rohstoffe für den Export ins Ausland an die Küste zu transportieren. Politische Akteure sahen in den geplanten Netzen Möglichkeiten, eine neue Ära der panafrikanischen Zusammenarbeit und transkontinentalen Entwicklung einzuläuten. Für eine neu entstehende Mittelklasse beschworen die Autobahnen Fantasien von einem gesellschaftlichen Aufstieg herauf und ganze Gesellschaften erhofften sich eine noch nie dagewesene Mobilität. Mit dem heutigen gigantischen Boom an Infrastrukturinvestitionen über den Kontinent hinweg erleben die transafrikanischen Autobahnen eine Erneuerung. Chinesische Entwickler, die Afrikanische Entwicklungsbank und andere große Institutionen bauen gewaltige mehrspurige Autobahnen, die radikale Veränderungen der urbanen Zentren und ländlichen Gegenden in ganz Afrika zur Folge haben.

Wie formt die Autobahninfrastruktur den Verlauf der Geschichte und warum sind die Träume von Entwicklung relevanter denn je? Mit dem Blick auf die mehrdimensionale Entwicklung auf dem Boden befreit Highway Africa konventionelle Ansätze für die Infrastruktur-Urbanisierung in Afrika und darüber hinaus. Wenn Autobahnen oder Eisenbahnnetze in der Forschung über Urbanität oder Afrika behandelt werden, scheinen sie lediglich als technische Entwicklungsprobleme vorzukommen: Entweder werden Sie als fehlend beschrieben oder als Wundermittel. Unser Forschungsprojekt schlägt ein radikal neues Verständnis der Beziehung zwischen der materiellen Infrastruktur und der täglichen Realität der Urbanisierung vor, indem die historische Komplexität und die multivalenten Träume und Projekte, die sie erzeugt, berücksichtigt werden.

Highway Africa ist das Thema des Research Studios des Masterstudiengangs Critical Urbanisms, der im Herbst 2017 begonnen hat.